Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle

Ein wichtiges Glied in der Kette

Die bei der der Stromerzeugung aus Kernenergie, bei industriellen Prozessen sowie in Forschung und Medizin anfallenden radioaktiven Abfälle müssen in sogenannten Endlagern entsorgt werden. Bis zur Verfügbarkeit dieser Endlager werden sie in speziellen Behältern in Zwischenlagern aufbewahrt. Die Zwischenlagerung ist damit ein wichtiges Glied in der Entsorgungskette. Bei der Art der zu lagernder Abfälle wird zwischen hochradioaktivem Material mit Wärmeentwicklung – beispielsweise den verbrauchten Brennelementen aus der Kernenergiestromerzeugung – und mittel- oder schwachradioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung unterschieden.

Radioaktive Abfälle werden in Deutschland in unterschiedlichen Zwischenlagern aufbewahrt. Neben den drei zentralen Einrichtungen in Gorleben, Ahaus und Lubmin gibt es zwölf Lager an den Kernkraftwerksstandorten und elf Zwischenlager von Industrie und Forschungseinrichtungen. Hinzu kommen die zwölf Landessammelstellen, die hauptsächlich Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung annehmen.


 
 

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Transport radioaktiver Stoffe
 

Zuständigkeiten

Castor®-Behälter - im Transportbehälterlager Gorleben 
Castor®-Behälter - im Transportbehälterlager Gorleben

Die Anforderungen für Vorsorge- und Schutzmaßnahmen beim Umgang mit radioaktivem Material sind grundsätzlich im Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) sowie im Atomgesetz(AtG) geregelt. Auch der Entsorgungsweg der radioaktiven Abfälle ist gesetzlich vorgeschrieben. Bei der Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle müssen die Zwischenlager, die Behälter sowie die Einlagerung von der jeweils zuständigen Behörde gesondert genehmigt werden.

BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung

Im Zusammenhang mit der Neuordnung der Verantwortung der kerntechnischen Entsorgung ging diese von den Betreibern der Kernkraftwerke und der GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH an die BGZGesellschaft für Zwischenlagerung mbH über. Die zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes befindliche BGZ ist damit für die sichere Lagerung der Abfälle bis zur Verbringung in die vorgesehenen Endlager zuständig. Am 1. August 2017 hat die BGZ die zentralen Zwischenlager in Gorleben und Ahaus und am 1. Januar 2019 Standortzwischenlager für abgebrannte Brennelemente übernommen. Die Abfalllager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle folgen am 1. Januar 2020. Die Betreiber bleiben weiterhin für die fachgerechte Konditionierung der Abfälle und ihre Bereitstellung in den entsprechenden Behältern verantwortlich.

Sicherheit bei der Zwischenlagerung

Aufbewahrung der Abfälle

Castor®-Behälter 
Castor®-Behälter

Der Schutz von Mensch und Umwelt ist auch bei der Zwischenlagerung oberstes Gebot. Das Konzept der Zwischenlagerung sieht einen sicheren Einschluss und die Rückhaltung der radioaktiven Stoffe vor, um die erforderliche Abschirmung der ionisierenden Strahlung jederzeit zu gewährleisten. Zentraler Baustein sind die Transport- und Lagerbehälter. Darüber hinaus gewährleisten die Auslegung der Lagergebäude und deren technische Einrichtungen Sicherheit bei der Zwischenlagerung. Mit diesem Konzept erfüllt Deutschland nicht nur internationale Standards, sondern ist in vielen Bereichen Vorreiter in der Sicherheitstechnik.

Für die ausgedienten Brennelemente ist die erste Station auf dem Weg der Entsorgung die Lagerung im Brennelementlagerbecken im Reaktorgebäude. Zunächst muss ihre Radioaktivität und Wärmeproduktion soweit abklingen, dass sie in Transport- und Lagerbehälter umgeladen werden können. Dafür werden sie in einem mit Wasser gefüllten Becken aufbewahrt. Anschließend werden die Behälter in den Zwischenlagern an den Kernkraftwerkstandorten gelagert.

Dezentrales Zwischenlager 
Dezentrales Zwischenlager

Während der Zwischenlagerung sorgen die Behälter dabei für den sicheren Einschluss der radioaktiven Stoffe. So sind die CASTOR®-Behälter für hochradioaktive Abfälle mit einem ständig überwachten Doppeldeckeldichtsystem ausgestattet, um Freisetzungen auszuschließen. Die Behälter sind so ausgelegt, dass sie selbst extremen Einwirkungen von außen wie zum Beispiel bei Transportunfällen, Feuer oder einem Flugzeugabsturz standhalten. Sie erfüllen damit die hohen Anforderungen der weltweit gültigen Gefahrgutkriterien der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA).

Schwach- und mittelradioaktive Abfälle werden bis zu ihrer Abgabe an das Endlager Konrad in den Zwischenlagern je nach Aktivität und Volumen unter anderem in Stahlfässern, MOSAIK®-Behältern und Containern gelagert.

Internationale Kontrolle

Zwischenlager, die Kernbrennstoffe enthalten werden zusätzlich von der EuropäischenAtomgemeinschaft EURATOM und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Hinblick auf die so genannte Non-Proliferation überwacht, also die Nicht-Verbreitung von spaltbarem Material. Mit der Spaltstoffüberwachung soll sichergestellt werden, dass spaltbares Material nicht für militärische Zwecke genutzt oder missbraucht wird.

Strahlenexposition

Für alle kerntechnischen Anlagen gilt: Die zusätzliche effektive Strahlendosis für die Bevölkerung darf in der Gesamtsumme aller Anlagen den Grenzwert von 1 Millisievert (1 mSv = ein Tausendstel Sievert) im Kalenderjahr nicht überschreiten. Dies gilt laut der Strahlenschutzverordnung auch bei ungünstigsten Annahmen.

Die effektive Dosis der natürlichen Strahlung liegt in Deutschland bei rund 2,1 Millisievert im Jahr. Die gesamte Strahleneinwirkung auf einen Menschen aus allen Strahlenquellen beträgt durchschnittlich rund 3,7 Millisievert pro Jahr. Auf den Menschen wirkt auch radioaktive Strahlung aus medizinischen und technischen Anwendungen sowie durch Radon in Gebäuden und sonstigen Quellen. Allein aus der Röntgendiagnostik beträgt die effektive Dosis rund 1,6 Millisievert im Jahr.

Die Strahlenexposition durch den Betrieb von Kernkraftwerken und kerntechnischen Anlagen wie den Zwischenlagern in Deutschland macht im Vergleich einen deutlich geringeren Anteil aus: weniger als 0,01 Millisievert im Jahr, also weniger als 1 % des vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwertes.

Zentrale Zwischenlager

In den drei zentralen Zwischenlagern in Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Nordrhein- Westfalen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) wird unter anderem hoch radioaktiver Abfall zwischengelagert.

Zwischenlager Gorleben

Zentratles Zwischenlager Gorleben 
Zentratles Zwischenlager Gorleben

Die wendländische Gemeinde beherbergt ein Zwischenlager zur Aufbewahrung von verbrauchten Brennelementen aus Kernkraftwerken sowie hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung. In Zusammenhang mit dem Standortauswahlgesetz (StandAG) dürfen keine weiteren Wiederaufarbeitungsabfälle im Transportbehälterlager Gorleben angeliefert werden. Diese Abfälle müssen in Zwischenlager an den Kernkraftwerksstandorten verbracht werden. Die mittelradioaktiven Abfälle aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sollen am Standort Philippsburg gelagert werden. Die verbleibenden 21 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield werden gleichmäßig auf die Zwischenlager an den Standorten Biblis, Brokdorf und Isar aufgeteilt. Ebenfalls am Standort wird das Abfalllager Gorleben betrieben. Hier werden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung zwischengelagert, die vor allem aus dem Betrieb deutscher Kernkraftwerke stammen.

Zwischenlager Ahaus

Das Zwischenlager Ahaus befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Ahaus im westlichen Münsterland. Neben ausgedienten Brennelementen werden in Ahaus auch schwach- und mittelradioaktive Abfälle aufbewahrt.

Zwischenlager Nord bei Lubmin

Das staatliche Zwischenlager Nord bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern diente ursprünglich zur Aufnahme von radioaktiven Abfällen aus den stillgelegten Kernkraftwerken der DDR. Heute werden direkt am Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Greifswald Brennelemente aus Kernkraftwerken und Forschungseinrichtungen sowie dem Forschungsschiff „Otto Hahn“ aufbewahrt. Zudem dient das Zwischenlager Nord als Notfalllager. Verantwortlich für das Zwischenlager ist das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen GmbH (EWN).

Dezentrale Zwischenlager

Zwischenlager an Kernkraftwerksstandorten

Seit 2005 ist die Abgabe von verbrauchten Brennelementen ins Ausland zur Wiederaufbereitung untersagt. Gleichzeitig wurden die Kernkraftwerksbetreiber verpflichtet, an den Standorten der Kernkraftwerke Brennelement-Zwischenlager zu errichten. Zusätzlich zu den Brennelement-Zwischenlagern gibt es an einigen Standorten auch noch Standortabfalllager, die für die geplanten oder bereits laufenden Rückbauprojekte vorgesehen sind.

Weitere Zwischenlager und Landessammelstellen

Neben den Einrichtungen der kerntechnischen Industrie betreiben auch Forschungseinrichtungen Zwischenlager für radioaktive Stoffe aus der Forschung. Die Bundesländer sind verpflichtet, für die in ihrem Gebiet anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus Medizin, Forschung und Industrie Landessammelstellen einzurichten. Insgesamt gibt es zwölf Landessammelstellen, die entweder von einzelnen Ländern selbst, im Verbund oder von privaten Unternehmen im Auftrag des jeweiligen Landes betrieben werden. Die Bundesländer bleiben aber in jedem Fall uneingeschränkt rechtlich verantwortlich.

 

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