Klimaschutz

Was ist Klimawandel?

Klimawandel an sich ist ein natürlicher Prozess, der seit dem Bestehen der Erde abläuft. Er bezeichnet die Veränderung u.a. der durchschnittlichen Luft- und Wassertemperatur der Erde sowie andere klimatischer Parameter wie Luftfeuchte, Niederschlagsmenge und -verteilung. Seine Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden. Der in den Medien und in der politischen Diskussion verwendete Begriff des Klimawandels bezeichnet die Erderwärmung der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, die auf eine wesentlich anthropogen verursachte Erhöhung des Anteils der Treibhausgase in der Atmosphäre zurückgeführt wird. Als Treibhausgase werden Spurengase bezeichnet, die in einigen Bereichen des elektromagnetischen Spektrums die Abgabe von Wärme in den Weltraum reduzieren, die von der Sonne eingetragen wird. Dieser Effekt bewirkt einen langsamen langfristigen Anstieg der globalen Mitteltemperatur.

Die Steigerung des Anteils dieser Gase, zu denen unter anderem Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan zählen, wird auf das menschliche Handeln – primär auf die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl sowie die Landwirtschaft – seit dem Beginn der Industrialisierung zurückgeführt.

Insbesondere mit Hilfe von Eisbohrungen konnte der CO2-Gehalt der vergangenen Jahrtausende analysiert werden. Es wurde festgestellt, dass der CO2-Gehalt der Luft sich in den letzten 120 Jahren schneller und stärker als je zuvor erhöhte. Dies wird als eines der wesentlichen Indizien dafür gesehen, dass es sich bei der aktuellen Erderwärmung um ein wesentlich anthropogenes, also um ein menschengemachtes Ereignis handelt.


 
 

Medien zum Thema

Kernenergie in Zahlen
Kernenergie in Europa
 
 
 

Internationale Bemühungen um Klimaschutz

Bereits seit den 1970er Jahren wird der Klimawandel im nationalen und internationalen politischen Raum als eine Herausforderung thematisiert. Vor allem die möglichen Folgen der Erderwärmung wie ein steigender Meeresspiegel und klimabedingte Naturkatastrophen bewegten die internationale Gemeinschaft zum abgestimmten Handeln. Schon 1994 wurde das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen beschlossen. Das Ziel dieser Klimarahmenkonvention ist es, eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern und die globale Erwärmung zu verlangsamen. Mit dem Kyoto-Protokoll auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz (COP 3) wurden die ersten verbindlichen Begrenzungs- und Reduzierungsverpflichtungen auf Grundlage der Klimarahmenkonvention für Industriestaaten vereinbart. Die Bundesrepublik Deutschland hat das Kyoto-Protokoll im Jahr 2002 ratifiziert.

Auch der aktuell geltende Pariser Vertrag von 2015 in dem sich 196 Staaten verpflichteten, den Klimawandel zu bremsen und seine Folgen zu mindern, resultiert aus dem oben genannten Übereinkommen. Das Ziel des Pariser Klimavertrags ist es, die Erderwärmung bis 2100 auf unter zwei Grad Celsius – nach Möglichkeit auf 1,5 Grad – im Vergleich zur so genannten vorindustriellen Zeit – zu beschränken. Das soll primär durch eine erhebliche Verringerung des CO2-Ausstoßes erreicht werden.

Europäische und nationale politische Bemühungen um Klimaschutz

Sowohl die EU als auch Deutschland unterstützen die internationalen Bemühungen von Anfang an und haben bereits vor dem Pariser Abkommen eigene Ziele bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes formuliert. Die EU legte als einen ersten Schritt die Senkung der Emissionen um mindestens 20 Prozent bis 2020 und 40 Prozent bis 2030 (hier gilt immer das Bezugsjahr 1990) fest. Mit einer Reihe von Maßnahmen will die EU bis 2050 in allen Sektoren eine komplette Klimaneutralität erreicht haben. Das heißt, dass nicht mehr CO2 ausgestoßen soll, als wieder mit technischen oder biotischen Maßnahmen kompensiert werden kann. Dieses Ziel gilt für alle Sektoren wie Elektrizität, Wärme und Verkehr.

Diesen Zielen hat sich auch die Bundesrepublik in ihrem 2016 verabschiedeten Klimaschutzplan 2050 verpflichtet und folgende Ziele festgelegt:

Handlungsfelder 1990 2014 2030 2030


in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent

in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent

in Millionen Tonnen CO2-Äquivalent

Minderungsziel in Prozent gegenüber 1990

Gesamtsumme

1248

902

543 bis 562

56 bis 55 %

Energiewirtschaft

466

358

175 bis 183

62 bis 61 %

Gebäude

209

119

70 bis 72

67 bis 66 %

Verkehr

163

160

95 bis 98

42 bis 40 %

Industrie

283

181

140 bis 143

51 bis 49 %

Land­wirtschaft

88

72

58 bis 61

34 bis 31 %

Teilsumme

1209

890

538 bis 557

56 bis 54 %

Sonstige

39

12

5

87%

2014 beschloss das Bundeskabinett das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 mit dem Ziel der Reduktion der Treibhausemmissionen um 40 Prozent auf höchstens 750 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Damit sollte das Ziel aller Bundesregierungen seit 2002 festgeschrieben und seine Erreichung sichergestellt werden. Ende Oktober 2017 wurde jedoch festgestellt, dass dieses Ziel verfehlt und voraussichtlich nur eine Minderung um 31,7 bis 32,5 Prozent bis 2020 erreicht werden kann.

Rolle der Energiewirtschaft bei der Erreichung der Ziele

Die Reduktion des CO2-Ausstoßes bei der Stromerzeugung spielt bei der Erreichung der für 2050 festgelegten Ziele eine erhebliche Rolle. Die liegt vor allem daran, dass die Erzeugung der Elektrizität für 40 Prozent der CO2-Gesamtemmissionen weltweit verantwortlich ist. Diese Reduktion zu erreichen wird jedoch schwierig, da im gleichen Zeitraum von einer Verdopplung des weltweiten Stromverbrauchs ausgegangen wird. Die Ursachen dafür liegen bei dem weltweiten Bevölkerungswachstum, der steigenden Nachfrage nach Strom in Entwicklungsländern und der Elektrifizierung weiterer Sektoren wie Verkehr oder Wärme.

Die Elektrifizierung dieser Sektoren ist jedoch ebenfalls notwendig, um die gesetzten Ziele der Treibhausgasreduktion erreichen zu können. Günstige, im großen Umfang und nach Bedarf verfügbare Elektrizität kann den Umstieg auf Strom im Verkehr, Industrie usw. erheblich erleichtern bzw. erst ermöglichen.

Rolle der Kernenergie beim Klimaschutz

Die Kernenergie gehört nach allen einschlägigen Studien unstreitig neben Wasser- und Windkraft zu den Stromerzeugungstechnologien mit den geringsten Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus. Entsprechend setzen speziell viele der führenden Industrienationen, zumal vor dem Hintergrund der weltweit steigenden Energienachfrage, auch auf die Kernkraft im Mix mit anderen Energiewandlungstechnologien. In Deutschland ist die Frage politisch anders bewertet und entschieden worden. Die Kernenergie soll bei der Reduktion des CO2-Austoßes keine Rolle spielen.

CO2-Ausstoß der unterschiedlichen Energieträger

CO2-Ausstoß nach Energieträgern 
CO2-Ausstoß nach Energieträgern

Betrachtet man neben der CO2-freien Stromerzeugung selbst den kompletten Lebenszyklus der Kernenergienutzung, so bewegen sich die Treibhausgasemissionen in den verschiedenen Studien zwischen 5 und 33 Gramm CO2-Äquivalent pro erzeugter Kilowattstunde je nach konkreten Umständen. Das Emissionsband bei der Kernenergie ist dabei zu einem Großteil zurückzuführen auf die jeweils angewandte Technologie bei der Urananreicherung sowie der dort eingesetzten Energieform. Lebenszyklus-Analysen berücksichtigen vor- und nachgelagerte Prozesse. Diese umfassen im Wesentlichen den nuklearen Rohstoffkreislauf: Urangewinnung, Uranumwandlung, Stromerzeugung, Abfallbehandlung sowie Wiederaufarbeitung; darüber hinaus Errichtung und Rückbau eines Kernkraftwerks. Kernenergie wird somit den Anforderungen an eine umweltschonende Energieerzeugung voll und ganz gerecht und trägt entscheidend zum Klimaschutz bei.

Sonderbericht des Weltklimarats IPCC

Die CO2-mindernde Rolle der Kernenergie bei der Stromerzeugung wird in zahlreichen Studien verschiedener Institutionen bestätigt. Auch der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), eine Institution der Vereinten Nationen, bestätigt die positive Rolle der Kernenergie bei der Minderung der Treibhausgasemissionen.

Aus seinem Sonderbericht vom Ende 2018 zum 1,5-Grad-Ziel geht hervor, dass in den vier in der Zusammenfassung für politischen Entscheidungsträger aufgeführten Szenarien ein erheblicher bis sehr starker weltweiter Anstieg der Kernkraftnutzung enthalten ist, sowohl bis 2030 als auch bis 2050. Auch in den allermeisten der insgesamt 85 betrachteten Szenarien zur Erreichung des 1,5-Grad-Zieles wird ein Anwachsen der Kernenergienutzung als Bestandteil der energiewirtschaftlichen Maßnahmen zur Zielerreichung unterstellt. Dabei zeigt sich, dass die Nutzung der Kernenergie besonders in denjenigen der exemplarischen Szenarien hoch ausfällt, in denen in geringerem Umfang einschneidende Eingriffe in die Lebensführung und Lebensqualität unterstellt werden sowie eine positive Entwicklung der Lebensverhältnisse in den heute armen Ländern angenommen wird.

Kernenergie in der EU

Auch in der Ende November 2018 verabschiedeten „strategischen, langfristigen Vision für eine wohlhabende, moderne, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirtschaft der EU-Kommission – Ein sauberer Planet für alle“ – kommt der Kernenergie eine zentrale Rolle beim Klimaschutz zu. Darin wird sie als ein Teil des "Rückgrat(s) eines CO2-freien europäischen Stromsystems" bezeichnet.

Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung in der EU liegt aktuell bei 26%. Sie ist damit für fast 50% der CO2-armen Elektrizität verantwortlich. Aktuell werden 126 Kernreaktoren in 14 EU-Ländern betrieben, davon sieben in Deutschland.

Internationale Beispiele für die Rolle der Kernenergie beim Klimaschutz

In internationalen Vergleich fällt auf, dass vor allem Staaten, die über einen großen Anteil der Kern- und Wasserkraft in ihrem Energiemix verfügen, ihre CO2-Emissionen sehr schnell erheblich reduzieren konnten. So hat zum Beispiel Frankreich die geringsten CO2-Emissionen pro Kopf innerhalb der G7-Gruppe. Aktuell kommt ca. 75% des Stromes in Frankreich aus Kernkraftwerken.

Eine Analyse des schwedischen Programms zum Ausbau der Kernenergienutzung seit 1972 hat gezeigt, dass das Land seine CO2-Emissionen pro Kopf innerhalb von 20 Jahren um 75% senken konnte. Demgegenüber wird Deutschland trotz immenser Kraftanstrengung und sehr hoher Kosten der Energiewende seine Klimaschutzziele 2020 verpassen. Der CO2-Ausstoß sinkt trotz der beachtlichen Steigerung der Energieerzeugung mit Hilfe regenerativer Quellen und einer Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen nur sehr langsam. Der vorzeitige Ausstieg aus der Kernenergie ist hierfür zumindest eine wichtige Ursache.

UBA: Treibhausgasemmissionen in Deutschland 1990 bis 2018 in Mio.t CO2-äquivalent 
UBA: Treibhausgasemmissionen in Deutschland 1990 bis 2018 in Mio.t CO2-äquivalent
 

Unter dem Begriff „vorindustriell“ wird im Rahmen der Klimapolitik meist die Zeit vor 1850 verstanden, in Abweichung vom historischen Beginn der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In diesem Sinne wird häufig die globale Durchschnittstemperatur im Zeitraum von 1850 bis 1900 als Bezugsgröße für die Temperaturänderung verwendet.

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