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Dampfblasenkoeffizient

Die Reaktivität eines Reaktors - ein Maß für das Abweichen der Kettenreaktionsrate vom stabilen Gleichgewichtszustand - ist von einer Reihe von Betriebsparametern abhängig, in einem Siedewasserreaktor u. a. vom Dampfblasenanteil im Kühlmittel in der Kernzone. Ein negativer Dampfblasenkoeffizient bewirkt, daß bei einem Ansteigen der Kettenreaktionsrate und dem damit verbundenen Leistungs- und Temperaturanstieg die Leistung durch den sich vergrößernden Dampfblasenanteil automatisch begrenzt wird und wieder zurückgeht. Im deutschen Genehmigungsverfahren muß nachgewiesen werden, daß der Dampfblasenkoeffizient immer negativ ist. Beim russischen RBMK-Reaktortyp ist der Dampfblasenkoeffizient positiv; eine Leistungs- und Temperatursteigerung bewirkt eine immer schneller zunehmende Kettenreaktionsrate, die weitere Leistungs- und Temperaturerhöhungen zur Folge hat, wenn sie nicht durch andere Maßnahmen begrenzt werden kann. Dieser Effekt war eine der physikalischen Ursachen für den Reaktorunfall in Tschernobyl.

Verlauf der Reaktorleistung unter bestimmten Umständen bei positivem und negativem Dampfblasenkoeffizienten 
Verlauf der Reaktorleistung unter bestimmten Umständen bei positivem und negativem Dampfblasenkoeffizienten
 

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